Mord unter dem Weihnachtsbaum - noch mehr weihnachtliche Krimis

Heute bleiben wir trotz diverser feiertäglicher Todesfälle in den Romanen recht gemütlich in unseren Leseempfehlungen. Wer Action und brutale Gewalt sucht, muss sich bis zum Heiligen Abend gedulden und sich "Stirb langsam" zu Gemüte führen. In unseren Krimitipps für die Feiertage wird ermittelt, und zwar in guter, alter Tradition mit Hirn und Geduld.

Das Geheimnis in Rot von Mavis Doriel Hay erschien in der 1930er Jahren, also in einer Ära, die man als das goldene Zeitalter des britischen Detektivromans bezeichnet. Ähnlich wie die Krimis von Agatha Christie hat dieses Buch nichts von seinem Charme verloren. Der Zauber entfaltet sich bereits auf den ersten Seiten, wenn die Personen eingeführt werden: Auf Melbury Manor versammelt sich die Familie zur Weihnachtszeit. Heute wie damals wird die Harmonie von mehr oder weniger unterschwelligen Feindseligekeiten und vor allem durch Geldgier gestört, denn der Patriarch Sir Oswald gedenkt, sein Testament zu ändern. Auf dieser Grundlage entfaltet sich die verzwickte, aber nicht unübersichtliche Handlung. Charme und Witz in den Charakterisierungen und der berühmte britische Humor erhöhen das Lesevergnügen ungemein. Wer Dorothy L. Sayers und Agatha Christie mag, wird auch das Geheimnis in Rot zu schätzen wissen. Die hübsche Ausstattung mit bedrucktem Leineneinband macht das Buch außerdem zu einem schönen vorweihnachtlichen Mitbringsel.

Ein toter Weihnachtsmann unter dem festlich geschmückten Baum ist der Ausgangspunkt für spannende Ermittlungen in Ein Mord zu Weihnachten von Francis Duncan. Wie die erste Empfehlung ist auch dieser Weihnachtskrimi eine Wiederentdeckung, allerdings aus den 1940er Jahren. Und wie wunderbar sich dieses Buch liest - bereits nach dem ersten Kapitel meint man als Leser Teil, jener Gesellschaft zu sein, die sich auf dem Landsitz versammelt. Mit feinem Wortwitz schafft Francis Duncan aus Stereotypen wie dem Politiker oder dem Wissenschaftler Charaktere, die man nicht vergisst. Wer Spaß am Ermitteln hat und eine Nase für dezente Hinweise, der wird dieses Buch lieben. Die Spannung entwickelt sich eher aus dem Belauschen der Gespräche als aus überhasteten Ermittlungen, ganz wie es einem britischen Krimi gebührt.

 

Das Setting erinnert an Agatha Christies legendären "Mord im Orientexpress": Ein Zug bleibt am Heiligen Abend in den Schneewehen stecken, die Passagiere machen sich trotz klarer Warnung des Schaffners auf die Suche nach einem alternativen Fortbewegungsmittel. Sie landen in einem Haus, dessen Tür nicht verschlossen ist - ein Feuer brennt im Kamin, der Tisch ist gedeckt. Das Geheimnis in Weiß, das seinen Namen von den unendlichen Schneemassen hat, nimmt seinen Anfang in unheimlicher, leicht gruseliger Atmosphäre und wandelt sich mit jeder Seite mehr zum Rätselkrimi in bester Tradition. Dieses 1937 erschienene Buch punktet durch seine Stimmung und durch die scharfzüngigen Beschreibungen des Autors Jefferson J. Farjeon, der bei aller gnadenlosen Beobachtungsgabe nie den Respekt vor seinen Figuren verliert. Der Mord wird auf makellose und nachvollziehbare Weise aufgeklärt, und ganz wie bei den klassischen Kriminalgeschichten erfährt der Leser alles, was er wissen muss, um ebenfalls zu ermitteln. Weiße Weihnacht und Mord passen eben doch ganz gut zusammen!

Hay, Mavis Doriel
Klett-Cotta
ISBN/EAN: 9783608961898
15,00 €
Duncan, Francis
DuMont Buchverlag GmbH & Co. KG
ISBN/EAN: 9783832198640
15,00 €
Farjeon, J Jefferson
Klett-Cotta
ISBN/EAN: 9783608961027
14,95 €